Elektroerosion am Motorlager erkennen: Ein Laufbahnschadbild und zwei Warnsignale

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Elektroerosion am Motorlager erkennen: Ein Laufbahnschadbild und zwei Warnsignale
Guide cover image for diagnosing motor bearing electrical erosion through noise, vibration, and raceway inspection

In unserem früheren Leitfaden zur Fehlersuche bei Motorlagergeräuschen haben wir ein dreistufiges Vorgehen vorgestellt: Geräusch lokalisieren, Temperaturen vergleichen und den Verdacht mit Schwingungsdaten überprüfen. Damit lässt sich der Bereich bei den meisten ungewöhnlichen Geräuschen deutlich eingrenzen.

Eine Geräuschart passt jedoch häufig nicht sauber in dieses Schema. Der Motor erzeugt ein anhaltendes Summen oder Brummen. Nachschmieren oder ein Fettwechsel bringen keine nachhaltige Verbesserung. Beim Öffnen des Lagers zeigen sich waschbrettartige Bänder auf der Laufbahn, und das Fett ist möglicherweise dunkel oder karbonisiert.

In diesem Fall muss elektrische Lagererosion weit oben auf der Verdachtsliste stehen. Der zugrunde liegende Entladungsmechanismus wird in der Lagertechnik häufig als Electrical Discharge Machining (EDM) beziehungsweise Funkenerosionsschaden bezeichnet.

Dieser Schaden unterscheidet sich von normalem Verschleiß, Wälzermüdung und Mangelschmierung. Das Prinzip ist: Strom fließt durch den Wälzkontakt und entlädt sich wiederholt über den Schmierfilm. Mikroskopisch kleine Lichtbögen beschädigen dabei die Metalloberflächen. Die Maschine kann weiterhin laufen, obwohl sich auf den Laufbahnen bereits Grübchen und Riffelbildung entwickeln. Es handelt sich um einen verdeckten Fehler, der lange fortschreiten kann, bevor der Motor von außen schwer beschädigt wirkt.

Dieser Artikel erklärt, woher der Strom kommt, welche Spuren er hinterlässt, was Ohr und Messgerät erfassen können, wie Fehlinterpretationen vermieden werden und was nach bestätigtem Schaden zu tun ist.

1. Wie gelangt elektrischer Strom in ein Motorlager?

Bei einem gesund betriebenen, konventionell gespeisten Drehstrommotor soll das Dreiphasensystem symmetrisch sein. Das Lager ist in erster Linie ein mechanisches Bauteil und kein elektrischer Leiter. Unter bestimmten Betriebs- oder Installationsbedingungen kann sich dennoch eine Wellenspannung aufbauen, aus der Lagerströme entstehen.

Häufige Ursache Typische Situation vor Ort
Frequenzumrichterbetrieb (VFD) Der PWM-Ausgang erzeugt hochfrequente Gleichtaktspannung; der Strom sucht einen Rückweg.
Magnetische Asymmetrie Ungleichmäßiger Luftspalt, Wicklungsasymmetrie oder ein unsymmetrischer Magnetkreis induzieren Spannung entlang der Welle.
Elektrostatische Aufladung Riemenantrieb, Luftströmung oder Prozessreibung können Ladung auf der Welle aufbauen.
Falscher Rückstrompfad beim Schweißen Bei Reparaturschweißarbeiten ist die Masseklemme so angebracht, dass der Schweißstrom durch ein Lager fließt.

Der Frequenzumrichterbetrieb gehört heute zu den häufigsten Hintergründen. Schnelles PWM-Schalten erzeugt hochfrequente Gleichtaktspannung. Stellen Motor, Kabelschirm, Gehäuse, angetriebene Maschine und Erdungssystem keinen geeigneten niederimpedanten Rückweg bereit, kann ein Teil des Stroms über ein Lager zum Gehäuse, zur Welle oder zu angeschlossenen Komponenten fließen.

Das Lager ist nicht der einzige mögliche Strompfad. Parasitäre Kapazitäten, Motorgehäuse, Kabelschirm, Schutzleiter, Kupplungen, Getriebe und Lager der angetriebenen Maschine können den Strom aufteilen oder umlenken. Der dünne Schmierfilm im Lager kann jedoch zu einer empfindlichen Durchschlagstelle werden. Überschreitet die Spannung am Schmierfilm dessen momentane Durchschlagsfestigkeit, erfolgt eine Entladung.

Eine ausführlichere Erklärung der elektrischen Mechanismen bietet unser Beitrag über Wellenspannung in Elektromotoren.

Damit werden Waschbrett-Riffelung und dunkel gewordenes Fett verständlich: Nicht automatisch die Fettqualität ist die Ursache; möglicherweise schlägt Strom wiederholt über den Wälzkontakt durch.

2. Das entscheidende Schadbild: Laufbahn und Schmierfett prüfen

Bei elektrischer Erosion sind Demontagespuren meist zuverlässiger als das Geräusch allein. Das typische Waschbrettmuster entsteht nicht über Nacht. Zahlreiche lokale Entladungen erzeugen zunächst mikroskopische Krater. Durch wiederholtes Überrollen werden die geschädigten Bereiche anschließend geordnet, vergrößert und mechanisch weiterentwickelt.

Jede Entladung kann Schmierstoff und Laufbahn gleichzeitig schädigen. Die lokale Temperatur des Lichtbogens ist sehr hoch. Das Fett in der Entladungszone kann nachdunkeln, austrocknen, verbrannt riechen oder karbonisierte Bestandteile zeigen. Gleichzeitig können punktförmige Krater entstehen, die als elektrische Grübchen beziehungsweise EDM-Krater bezeichnet werden.

Diese Erscheinungen folgen nicht immer einer sauberen Reihenfolge. Bei Demontagen sieht man häufig dunkles Fett, karbonisierte Ablagerungen und Mikropitting gleichzeitig. Die Annahme „zuerst schwarzes Fett, danach Grübchen“ ist deshalb irreführend.

Setzen sich die Entladungen fort, nimmt die Zahl der Krater zu und das Oberflächenmuster wird regelmäßiger. Es können sich parallele Querbänder über der Wälzbahn bilden, die sich über den Umfang wiederholen. Dieses rhythmische Waschbrettbild heißt Riffelbildung beziehungsweise Fluting. Unser Vergleich von elektrischem Pitting und Fluting erklärt den Unterschied zwischen frühen Entladungskratern und dem entwickelten Rillenbild.

Ein häufiger Fehler besteht darin, nur die Fettfarbe zu beurteilen. Das Fett kann lediglich mäßig dunkel sein, obwohl bereits deutliche Riffelbildung erkennbar ist. Das Laufbahnmuster ist der stärkere Hinweis. Dunkles oder karbonisiertes Fett unterstützt die Diagnose, beweist sie aber nicht. Wärme, Oxidation, Verschmutzung, Abrieb und unverträgliche Fette können den Schmierstoff ebenfalls verfärben.

Verwenden Sie gute Beleuchtung und eine Lupe oder ein Mikroskop. Reinigen und dokumentieren Sie die Laufbahnen, bevor Sie eine Ursache festlegen. Ist eine taktile Prüfung erforderlich, sollten saubere Handschuhe getragen werden. Die Laufbahn nicht mit bloßen Fingern berühren, da Feuchtigkeit, Salze und Verschmutzungen eingebracht werden können.

Die Anzahl der Riffelbänder kann in einzelnen Fällen mit der Bewegung der Wälzkörper zusammenhängen, muss aber nicht der Wälzkörperzahl entsprechen. Der Abstand wird von Entladungswiederholung, Drehzahl, Lagergeometrie, Belastung, Schmierfilm und Strukturdynamik beeinflusst. Die Anzahl der Entladungen darf nicht mit einer einfachen Multiplikationsformel geschätzt werden.

Für die praktische Diagnose reichen gleichmäßig verteilte, wiederkehrende und relativ regelmäßige Waschbrettbänder aus, um einen starken Verdacht zu begründen. Bestätigen Sie die Schlussfolgerung durch Betriebsverlauf, Umrichterkonfiguration, Erdung, Schwingungstrend und elektrische Messungen.

3. Zwei Warnsignale vor der Demontage

Das Laufbahnbild ist erst nach dem Öffnen des Lagers sichtbar. Vorher entsteht der Verdacht in der Praxis meist aus Geräusch und Schwingung. Ein Signal kann gehört werden; das zweite wird mit Messgeräten deutlicher.

Signal 1: Anhaltendes, relativ gleichmäßiges Summen oder Brummen

Elektrisch geschädigte Lager können ein dauerhaftes, relativ gleichmäßiges Summen, Brummen, Pfeifen, Zischen oder raues Laufgeräusch erzeugen. Mit steigender Drehzahl kann es lauter werden. Im Gegensatz zu ausgeprägten Impulsen bei fortgeschrittener Abplatzung wirkt es häufig kontinuierlicher. Im Gegensatz zu einem reinen Schmierungsproblem lässt es sich durch Nachschmieren oft nicht dauerhaft unterdrücken, weil die Grundursache nicht nur im Schmierfilm liegt.

Eine wichtige Einschränkung lautet jedoch: Ein Summgeräusch beweist keine elektrische Erosion.

Die PWM-Anregung eines Frequenzumrichters kann hochfrequente elektromagnetische und strukturelle Schwingungen erzeugen, die sich über Motorgehäuse und Lagerschilde ausbreiten. Das Geräusch scheint dann aus dem Lager zu kommen, obwohl die Laufbahn möglicherweise noch keine Riffelbildung zeigt.

Wenn Motor, Prozess und elektrische Auslegung es zulassen, kann qualifiziertes Personal den Frequenzumrichterbetrieb mit einem kurzen, freigegebenen Test an sinusförmiger beziehungsweise Netzfrequenzversorgung vergleichen. Nimmt das Geräusch deutlich ab, kann die dominierende Ursache eine umrichterbedingte elektromagnetische oder strukturelle Anregung sein und nicht eine bereits ausgeprägte Laufbahnriffelung.

Auch wenn sich das Geräusch beim Vergleich verändert, ist das Ergebnis keine vollständige Diagnose. Bereits vorhandener Lagerschaden bleibt bestehen, obwohl sich Anregung und Geräuschsignatur ändern. Das Geräusch dient zur Hypothesenbildung, nicht als endgültiges Urteil.

Signal 2: Charakteristische Veränderungen im Schwingungsspektrum

Bei entwickeltem Pitting und Fluting können Schwingungsdaten erhöhte breitbandige Hochfrequenzenergie, wiederkehrende Stöße sowie Peaks in der Nähe von Lagerfehlerfrequenzen wie BPFO, BPFI, BSF oder FTF einschließlich Harmonischer und Seitenbänder zeigen. Hüllkurven- beziehungsweise Demodulationsanalyse macht wiederkehrende Stöße häufig besser sichtbar.

Diese Frequenzen müssen aus Lagergeometrie und Betriebsdrehzahl berechnet oder aus einer verifizierten Lagerdatenbank übernommen werden. Die Formel „Wellendrehzahl mal Wälzkörperzahl“ reicht nicht aus.

Noch wichtiger: BPFO- oder BPFI-Peaks sind kein eindeutiges Kennzeichen elektrischer Erosion. Sie zeigen mechanisch entwickelte Laufbahn- oder Wälzkörperschäden und können auch bei Ermüdung, Verschmutzung, Schmierungsfehlern oder Montageproblemen auftreten. Die elektrische Ursache muss aus der Gesamtheit der Befunde abgeleitet werden.

Auch ohne hochwertige Messgeräte sollte eine begründete Inspektion nicht unnötig verzögert werden. Sichtbares Fluting bleibt ein starker Demontagebefund. Anhaltendes ungewöhnliches Geräusch und dunkles Fett erhöhen den Verdacht, sind jedoch weder zwingend vorhanden noch allein beweiskräftig.

Ergänzende Bestätigung: Wellenspannung und Entladungsaktivität messen

Eine direktere Bestätigung ist die Messung der Spannung zwischen Welle und Motorgehäuse sowie die Beobachtung von Entladungswellenformen mit geeigneter breitbandiger Messtechnik und einer freigegebenen Wellensonde oder Bürste. Wiederkehrende scharfe Entladungsimpulse können einen elektrischen Strompfad bestätigen. Falsche Sondenführung kann irreführende Ergebnisse liefern und Personal rotierenden sowie spannungsführenden Teilen aussetzen. Solche Messungen sollten deshalb von geschulten Spezialisten durchgeführt werden.

Unser ausführlicher Leitfaden zur Früherkennung elektrischer Lagererosion behandelt Wellenspannungsmessung, Entladungsdetektion, Schwingungstrends, Ultraschall, Temperatur und Demontageprüfung.

4. Fehlinterpretationen vermeiden: Elektroerosion im Vergleich zu anderen Schäden

Dasselbe Summgeräusch kann durch umrichterbedingte Strukturvibration oder durch eine geriffelte Laufbahn entstehen. Dunkles Fett kann von elektrischen Entladungen stammen, aber ebenso von Übertemperatur, Oxidation, Verschmutzung, Abrieb oder Schmierstoffunverträglichkeit. Die folgende Tabelle zeigt typische Tendenzen, kein forensisches Urteil.

Merkmal Elektrische Erosion Verschleiß Ermüdungsabplatzung Mangelschmierung
Typisches Geräusch Anhaltendes Summen, Brummen, Pfeifen oder raues Laufgeräusch Reiben, Schaben oder sandiges Geräusch Stöße, Klicken oder unregelmäßig raues Geräusch Anfangs eventuell unauffällig; später Quietschen, Rumpeln oder rauer Lauf
Fettzustand Kann nachdunkeln, verbrennen, austrocknen oder Feinabrieb enthalten; allein kein Beweis Kann sich durch Verschleißpartikel verdunkeln Bis zum fortgeschrittenen Schaden oft normal oder mäßig verunreinigt Kann austrocknen, verhärten, sich trennen, emulgieren, oxidieren oder austreten
Laufbahnoberfläche Feine Krater, Mattierung oder regelmäßige Waschbrett-Riffelung Polieren, Riefen, Anschmieren oder auffälliger Glanz Unregelmäßige Risse, Grübchen und Abplatzungen Anschmieren, Riefen, Anlassfarben oder sekundäre Ermüdung
Wirkung des Nachschmierens Beseitigt weder die elektrische Ursache noch den Laufbahnschaden Macht vorhandenen Verschleiß normalerweise nicht rückgängig Keine Korrekturwirkung bei bereits abgeplatztem Material Kann ein frühes Schmierungsproblem verbessern, wenn Fettart und Menge stimmen
Zeitliche Entwicklung Schreitet fort, solange der schädliche Strompfad besteht Meist fortschreitend Kann sich nach Rissbildung und Abplatzung plötzlich beschleunigen Früh teilweise reversibel, nach Oberflächenschaden dauerhaft

Zwei praktische Regeln helfen:

Führt eine fachgerechte Nachschmierung zu einer deutlichen und anhaltenden Verbesserung, sollte zuerst die Schmierung untersucht werden. Hilft Nachschmieren nicht und zeigt die Demontage regelmäßige Riffelung – besonders zusammen mit dunklem Fett und Umrichterbetrieb –, muss elektrische Erosion geprüft werden.

Im unsicheren Zwischenbereich sollten Betriebszustände verglichen, VFD- und Erdungshistorie geprüft, Schmierstoff untersucht sowie Schwingung und Temperatur getrendet werden. Danach wird entschieden, ob Demontage und elektrische Messung notwendig sind. Unser Leitfaden zur Motorlagerschmierung hilft, Schmierungsprobleme von elektrisch verursachten Schäden zu unterscheiden.

5. Was ist nach bestätigter elektrischer Erosion zu tun?

Hat die Laufbahn bereits Riffelbildung entwickelt, gilt: Nur das Fett zu wechseln, ohne den Strompfad zu korrigieren, behandelt das Symptom statt der Ursache. Der neue Schmierstoff ist schnell derselben elektrischen Umgebung ausgesetzt.

Ein zweckmäßiges Vorgehen umfasst normalerweise drei Schritte.

Schritt 1: Geschädigtes Lager ersetzen

Ein Lager mit ausgeprägter Riffelbildung besitzt einen irreversiblen Laufbahnschaden. Ob ein sofortiger Stillstand erforderlich ist, hängt von Schwingung, Temperatur, Prozesskritikalität, Folgeschaden und Sicherheitsrisiko ab. In den meisten Fällen sollte der Austausch kurzfristig geplant werden. Starke Schwingung, Überhitzung, Abplatzung oder Fressgefahr können eine sofortige Außerbetriebnahme erfordern.

Schritt 2: Elektrische Seite untersuchen

Zu prüfen sind Frequenzumrichter, Motorkabel, Schirmanbindung, Schutzleiter, hochfrequenter Potenzialausgleich, Motorgehäuse, Kupplung, angetriebene Maschine, Ausgangsfilter, Schalteinstellungen und kürzlich vorgenommene Änderungen. Maßgeblich sind die Anweisungen der Motor- und Umrichterhersteller. VFD-Parameter dürfen nicht allein aufgrund eines allgemeinen Artikels geändert werden.

Schritt 3: Strompfad unterbrechen oder gezielt ableiten

Ziel ist ein kontrollierter Rückweg für unerwünschte Ströme oder die Unterbrechung des Stromkreises durch das Lager.

Schutzmaßnahme Wirkprinzip und Anwendung
Elektrisch isoliertes Lager Eine Keramikbeschichtung auf Außen- oder Innenring unterbricht den vorgesehenen Lagerstromkreis. Das Gesamtsystem muss dennoch geprüft werden, damit der Strom nicht auf ein anderes Lager oder eine angetriebene Komponente verlagert wird.
Hybridkeramiklager Wälzkörper aus Siliziumnitrid isolieren die Wälzkontakte elektrisch und können Vorteile bei hohen Drehzahlen bieten. Vor der Auswahl lohnt sich der Vergleich von Hybridkeramik- und beschichteten Isolierlagern.
Wellenerdungsbürste oder -ring Stellt einen niederimpedanten Pfad von der Welle zum Gehäuse her. Erforderlich sind korrekte Montage, saubere Kontaktflächen, Inspektion und Wartung.
Erdung, Potenzialausgleich, Schirmung und Ausgangsfilter Reduziert Gleichtaktspannung oder stellt einen kontrollierten hochfrequenten Rückweg über Kabelschirme und verbundene Strukturen statt über Lager bereit.
Leitfähiger Schmierstoff Eine spezielle, anwendungsabhängige Maßnahme und kein Universalrezept. Sie kann die Stromverteilung verändern, ohne den Strom zu beseitigen. Nur nach ausdrücklicher Freigabe durch Motor-, Lager- und Schmierstofflieferanten einsetzen.

Eine einzige Lösung passt nicht zu jedem Motor. Neukonstruktion, Überholung, Nachrüstung, Motorgröße, Spannungsklasse, Kupplungsanordnung, Umgebung und Art des Lagerstroms bestimmen die geeignete Strategie. Bei vielen größeren Umrichtersystemen wird ein isoliertes Lager an einem Ende mit einer gewarteten Wellenerdung am anderen Ende kombiniert. Die genaue Anordnung muss jedoch zur Motor- und Antriebskonstruktion passen.

Unser Vergleich Wellenerdungsring versus isoliertes Lager erklärt, wo die beiden Methoden sinnvoll sind und warum manchmal ein abgestimmtes Gesamtkonzept erforderlich ist.

Die Beziehung und die richtige Diagnose-Reihenfolge merken

Die besonders verdächtige Beweiskombination lässt sich als Dreieck merken:

Laufbahn-Fluting + anhaltendes ungewöhnliches Summen oder Brummen + dunkles beziehungsweise karbonisiertes Fett

Die drei Hinweise müssen nicht gleich stark ausgeprägt sein. Sichtbares Fluting allein rechtfertigt bereits eine ernsthafte elektrische Untersuchung. Bei Gewährleistungs-, Sicherheits- oder Ursachenanalysen sollte auch die Riffelung mit Mikroskopie, Betriebsverlauf und elektrischem Kontext bewertet werden.

Die Reihenfolge bleibt entscheidend:

  1. Ungewöhnliches Geräusch hören und lokalisieren.
  2. Wenn freigegeben und sicher, Umrichterbetrieb mit sinusförmigem beziehungsweise Netzfrequenzbetrieb vergleichen, um elektromagnetische Geräuschanteile zu erkennen.
  3. Schwingung, Temperatur, Schmierstoff und Betriebsverlauf prüfen.
  4. Lager öffnen und Laufbahnen, Fett, Käfig und Wälzkörper untersuchen.
  5. Bei Bedarf den elektrischen Pfad mit geeigneter Wellenspannungs- oder Strommessung bestätigen.
  6. Geschädigtes Lager ersetzen und die elektrische Grundursache beseitigen.

Ein Geräusch, das nach elektrischem Schaden klingt, beweist noch keine geriffelte Laufbahn. Ist Fluting sichtbar, reicht Schmierung als Maßnahme jedoch nicht mehr aus. Dann sind Lageraustausch und Korrektur des elektrischen Systems erforderlich.

Diese Diagnoseserie begann mit der Eingrenzung ungewöhnlicher Motorlagergeräusche. Der vorliegende Artikel erklärt das Vorgehen, wenn die Hinweise auf eine elektrische Ursache zeigen. Ein verwandtes Praxisproblem behandelt unser Leitfaden zur Überhitzung von Motorlagern.

Häufig gestellte Fragen

Beweist schwarzes Fett eine elektrische Erosion des Motorlagers?

Nein. Dunkles oder schwarzes Fett ist ein wichtiger Warnhinweis, kann aber auch durch Oxidation, Übertemperatur, Verschmutzung, Abrieb, unverträgliche Schmierstoffe oder ein zu langes Wartungsintervall entstehen. Die Diagnose muss durch Laufbahnbild, Betriebsverlauf, Schwingung und elektrische Messungen bestätigt werden.

Beweist ein anhaltendes Summen, dass das Lager geriffelt ist?

Nein. Ein Frequenzumrichter kann elektromagnetische und strukturelle Geräusche erzeugen, die sich über Motorgehäuse und Lagerschild übertragen. Das Geräusch löst eine Untersuchung aus, ist aber nicht das abschließende Diagnosekriterium.

Kann Nachschmieren elektrisches Pitting oder Fluting reparieren?

Nein. Das richtige Fett kann Geräusch oder Temperatur vorübergehend verändern, aber keinen durch EDM-Entladungen abgetragenen Stahl wiederherstellen. Ausgeprägtes Pitting und Fluting sind irreversibel.

Was ist der stärkste Praxisnachweis für elektrische Lagerschäden?

Regelmäßige Waschbrett-Riffelung, feine elektrische Krater oder eine mattierte Laufbahn in Verbindung mit einem plausiblen Strompfad und Betriebsverlauf sind starke Hinweise. Bei kritischen Fällen sollten Mikroskopie, Schmierstoffanalyse, Schwingungsdaten und Wellenspannungs- beziehungsweise Strommessungen hinzukommen.

Sollte ein Wellenerdungsring oder ein isoliertes Lager verwendet werden?

Das hängt von Strommechanismus, Motorgröße, Erdungskonzept, Umgebung, Wartungsmöglichkeiten und angeschlossener Maschine ab. Erdungseinrichtungen leiten Strom ab; isolierte oder Hybridlager unterbrechen einen Pfad. Kritische Systeme verwenden häufig eine abgestimmte Kombination statt nur eines einzelnen Bauteils.

Referenzen und technische Hinweise

  • IEEE 841-2021 für schwere Prozessindustrie-Induktionsmotoren. Diese Ausgabe ersetzt die im chinesischen Ausgangsartikel genannte Ausgabe IEEE 841-2009.
  • GB/T 21707-2018, Messverfahren für Wellenströme an umrichtergespeisten Motoren.
  • ABB Technical Guide No. 5, Bearing Currents in Modern AC Drive Systems.
  • Öffentliche technische Unterlagen großer Lager- und Motorhersteller zu elektrischer Lagererosion, Pitting, Fluting, Erdung und isolierten Lagern.

Dieser Artikel bietet allgemeine Hinweise zur Fehlerdiagnose und ersetzt keine maschinenspezifischen Anweisungen. Schwingungsanalyse, Demontagebefund, elektrische Messungen, Schmierstoffzustand und Betriebsverlauf sind gemeinsam zu bewerten. VFD-Einstellungen, Umverdrahtung, Erdungsänderungen und Messungen an laufenden Anlagen dürfen nur durch qualifiziertes Personal nach den Verfahren der Gerätehersteller erfolgen.

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