G5-Keramikkugeln vs. G10-Keramikkugeln: Technischer Vergleich

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G5-Keramikkugeln vs. G10-Keramikkugeln: Technischer Vergleich
Vergleich von G5- und G10-Keramikkugeln für die Auswahl präziser Lageranwendungen

Geprüft von Ms Jessica Jia, Chief Technical Advisor bei TFL Bearing. Mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Abstimmung von Kugelgüte und Spindeldrehzahl sowie in der Bewertung thermischer Auffälligkeiten bei ungeeigneter Auslegung. Verantwortlich für das Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001:2015. Zuletzt geprüft: September 2026.

Einleitung

Ein Unterschied von zwei Zehntel Mikrometern – spielt das wirklich eine Rolle? Bei einer Spindel mit 24.000 min⁻¹ kann genau diese Größenordnung darüber entscheiden, ob Bauteile innerhalb oder außerhalb der Toleranz liegen. Der Unterschied zwischen G5- und G10-Keramikkugeln liegt vor allem in engeren Toleranzen, und diese können sich bei hochpräzisen Anwendungen unmittelbar auf Ausschuss und Prozessstabilität auswirken.

Kurzfassung

Bei G5-Keramikkugeln liegt die Abweichung von der Kugelform bei höchstens 0,13 µm, bei G10 bei höchstens 0,25 µm. G5 wird häufig für Spindeln oberhalb von etwa 15.000 min⁻¹, für P4-Anwendungen und für besonders niedrige Schwingungsanforderungen eingesetzt. G10 eignet sich für Pumpen, Lüfter, Motoren und allgemeine Industrieanwendungen und ist kostengünstiger. Beide Güteklassen können aus Siliziumnitrid (Si₃N₄) oder Zirkonoxid (ZrO₂) gefertigt werden.

  • Unterschied bei der Sphärizität: 0,12 µm. Gleicher Keramikwerkstoff, engere Schleiftoleranz.
  • Oberhalb von etwa 15.000 min⁻¹ kann sich der Mehrpreis von G5 bei Anwendungen mit strengen Anforderungen an Schwingung und Rundlauf technisch rechtfertigen.
  • G10 ist bei allen angebotenen Durchmessern die kostengünstigere Güteklasse.
  • Siliziumnitrid ist etwa 60 % leichter als Wälzlagerstahl.
  • Zirkonoxid weist eine Wärmeausdehnung auf, die näher an Stahl liegt; Siliziumnitrid dehnt sich deutlich weniger aus.
  • Eine engere Kugelgüte kompensiert weder ungeeignete Laufbahnen noch falsche Vorspannung oder unzureichende Schmierung.

Was sind G5-Keramikkugeln für Wälzlager?

Schwarze Keramikkugeln in verschiedenen Größen für Präzisionslageranwendungen

G5-Keramikkugeln werden nach ISO 3290-2 auf Güteklasse 5 geschliffen. Das bedeutet unter anderem eine Abweichung von der Kugelform (Sphärizität) von höchstens 0,13 µm, eine Kugeldurchmesserabweichung von höchstens 0,13 µm und eine Oberflächenrauheit von ≤ 0,020 µm Ra. Die Güteklasse beschreibt Geometrie und Oberflächenqualität der Kugel; sie sagt nichts über den verwendeten Werkstoff aus.

Diese Unterscheidung ist für Einkauf und Auslegung relevant. Eine Kugel der Güteklasse 5 kann aus Siliziumnitrid (Si₃N₄) oder Zirkonoxid (ZrO₂) bestehen; unter thermischer Belastung verhalten sich beide Werkstoffe deutlich unterschiedlich. Viele Anfragen enthalten Formulierungen wie „Si3N4 silicon nitride ceramic ball bearings G5“. Material und Güteklasse sind jedoch zwei voneinander unabhängige Auswahlkriterien. Erst ihre Kombination mit Laufbahn, Vorspannung und Betriebsbedingungen bestimmt das tatsächliche Laufverhalten.

Bei Baugruppen der Genauigkeitsklasse P4 oder P2, bei vorgegebenen Rundlauftoleranzen im Mikrometerbereich oder bei vertraglich definierten Geräusch- und Schwingungsgrenzen wird häufig G5 gewählt. Bei weniger anspruchsvollen Anwendungen kann G5 dagegen eine Spezifikation darstellen, deren zusätzlicher Genauigkeitsvorteil von der Maschine nicht genutzt wird.

Wo sich der Mehrpreis von G5 rechtfertigt

  • Werkzeugmaschinenspindeln: Schleif- und Frässpindeln über 15.000 min⁻¹, insbesondere wenn Rundlauf und Rattermarken die Bearbeitungsqualität beeinflussen. Weitere Details finden Sie im Leitfaden zu Spindellagern für Werkzeugmaschinen mit einer detaillierten Darstellung typischer Schadensbilder.
  • Dental- und medizinische Handstücke: bei sehr engen Geräuschgrenzen und kleinen Baugrößen, bei denen Kugelabweichungen einen vergleichsweise großen Anteil am Gesamtlauffehler haben.
  • Messtechnik und Halbleiter-Positioniersysteme: Anwendungen mit Positioniergenauigkeiten im Submikrometerbereich, bei denen einzelne Fehlerquellen separat betrachtet werden.

Was sind G10-Keramikkugeln?

G10-Keramikkugeln werden nach ISO 3290-2 auf Güteklasse 10 geschliffen: Sphärizität ≤ 0,25 µm, Durchmesserabweichung ≤ 0,25 µm und Oberflächenrauheit ≤ 0,025 µm Ra. Gegenüber G5 sind die zulässigen Formabweichungen größer und die Oberflächenanforderungen etwas weniger eng.

Das wirkt zunächst wie eine klare Abstufung. In vielen realen Anwendungen ist der Unterschied jedoch praktisch nicht relevant. Bei einem Motorlager mit 3.600 min⁻¹, einer Chemiepumpe oder einem staubbelasteten Lüfter kann eine Kugelformabweichung von 0,13 µm im Gesamtsystem häufig nicht genutzt werden.

Die tatsächliche Lebensdauer wird in solchen Anwendungen stärker durch Verunreinigung, Schmierung, Passung und gegebenenfalls Wellenströme bestimmt. Ähnliche Überspezifikationen sehen wir auch bei Anfragen zu ZrO₂-Zirkonoxid-Keramikkugeln in G5: Bei einer konkreten Pumpenanwendung hätte G10 technisch ausgereicht und gleichzeitig Budget für eine bessere Abdichtung freigegeben.

Für allgemeine Industrieanwendungen wird daher häufig G10 angeboten. Eine höhere Güteklasse wird dann gewählt, wenn die Betriebsbedingungen oder Genauigkeitsanforderungen sie tatsächlich rechtfertigen.

Praxistipp: Vor der Auswahl einer enger tolerierten Kugel sollte immer die Genauigkeitsklasse der Lagerringe in der Zeichnung geprüft werden. Bei P0- oder P6-Ringen lässt sich der zusätzliche Genauigkeitsvorteil einer G5-Kugel in vielen Anwendungen nicht sinnvoll nutzen.

G5- vs. G10-Keramikkugeln: Technischer Vergleich

Die beiden Güteklassen unterscheiden sich in neun praxisrelevanten Punkten. Die folgende Reihenfolge orientiert sich daran, wie häufig diese Unterschiede die Auswahl im Einkauf beeinflussen.

ParameterG5G10
Abweichung von der Kugelform≤ 0.13 µm≤ 0.25 µm
Kugeldurchmesserabweichung≤ 0.13 µm≤ 0.25 µm
Oberflächenrauheit≤ 0.020 µm Ra≤ 0.025 µm Ra
Typische Ring-GenauigkeitsklasseP4 / P2 (ABEC-7 / ABEC-9)P6 / P5 (ABEC-3 / ABEC-5)
Typischer DrehzahlbereichÜber 15.000 min⁻¹Bis etwa 15.000 min⁻¹
VerfügbarkeitHäufig FertigungsauftragBreit verfügbar

1. Sphärizität und Durchmessertoleranz

Bei G5 liegt die Abweichung von der Kugelform bei höchstens 0,13 µm; auch die zulässige Durchmesserstreuung innerhalb eines Loses liegt in dieser Größenordnung. G10 erlaubt jeweils bis zu 0,25 µm. Der praktische Vorteil dieser Differenz von 0,12 µm kommt jedoch nur dann zum Tragen, wenn auch die Laufbahnen entsprechend präzise gefertigt sind.

Entscheidende Kennwerte

  • Formabweichung: 0,13 µm bei G5 gegenüber 0,25 µm bei G10.
  • Losstreuung: geringere Streuung reduziert den Aufwand für Sortierung und Paarung vor der Montage.
  • Praktische Grenze: bei vielen Baugruppen wird die erreichbare Genauigkeit eher durch die Laufbahnqualität als durch die Kugelgüte begrenzt.

2. Oberflächenqualität und Laufgeräusch

Die Oberflächenrauheit liegt bei G5 bei ≤ 0,020 µm Ra und bei G10 bei ≤ 0,025 µm Ra. Die feiner geschliffene Kugel unterstützt einen gleichmäßigeren Schmierfilm und kann das Laufgeräusch reduzieren. Deshalb werden bei besonders geräuscharmen Motoren und Präzisions-Handstücken häufig engere Kugelgüten spezifiziert.

Polierte Keramikkugeln mit glatten Oberflächen für Präzisionslageranwendungen

3. Drehzahlgrenze und Wärmeentwicklung

Der grundsätzliche Drehzahlvorteil keramischer Wälzkörper entsteht vor allem durch die geringere Dichte, nicht durch die Güteklasse. Siliziumnitrid weist eine Dichte von etwa 3,2 g/cm³ auf, Wälzlagerstahl etwa 7,8 g/cm³. Dadurch sinkt die Fliehkraftbelastung auf der Außenringlaufbahn. Die Güteklasse beeinflusst anschließend, wie ruhig und präzise das Lager im oberen Drehzahlbereich läuft; G5 kann dort zu stabilerem Lauf und geringerer Schwingung beitragen.

Wichtige Werkstoffkennwerte

  • Dichte: Siliziumnitrid 3,2 g/cm³ gegenüber Wälzlagerstahl 7,8 g/cm³.
  • Wärmeausdehnung: Siliziumnitrid etwa 3,2 × 10⁻⁶/K, Zirkonoxid etwa 10,5 × 10⁻⁶/K.
  • Ergebnis: Ein Hybridlagersatz wie HCB7007-C kann gegenüber einer Vollstahlausführung eine deutlich höhere Drehzahleignung bieten.

4. Schwingung und Rundlauf in der Baugruppe

Form- und Durchmesserabweichungen der Kugeln können sich direkt auf den Rundlauf der Welle auswirken. Bei kleinen Schrägkugellagern kann der Kugelanteil einen relevanten Teil der Gesamtabweichung ausmachen; geringere Formfehler können dort Laufgeräusch und Schwingung reduzieren. Bei einem großen Pumpenlager mit etwa 90 mm Bohrung werden diese Effekte dagegen häufig von Gehäusepassung und Ausrichtung überlagert.

5. Abstimmung mit der Genauigkeitsklasse

Ringgenauigkeit und Kugelgüte sollten zueinander passen. G5 wird typischerweise mit P4- und P2-Ausführungen kombiniert; im ABEC-System entsprechen diese ungefähr ABEC-7 beziehungsweise ABEC-9. P6- und P5-Ringe werden häufig mit G10 kombiniert. Eine G5-Kugel in einer P0-Ausführung erhöht die Kosten, ohne dass die zusätzliche Kugelgenauigkeit im Gesamtlager vollständig genutzt werden kann.

Typische Zuordnung auf einen Blick

  • P4 / ABEC-7: typische Kombination für hochpräzise Hybridlager in Spindelanwendungen.
  • P6 / ABEC-3: typischer G10-Bereich für Motoren, Pumpen und Lüfter.
  • Kosten einer Fehlzuordnung: G5-Kosten bei einer Gesamtgenauigkeit, die durch eine niedrigere Ringklasse begrenzt wird.

6. Kugelpreis und Wirtschaftlichkeit pro Los

Der Preis wird wesentlich durch Schleif- und Läppaufwand bestimmt. G5 erfordert mehr Bearbeitungsschritte, engere Sortierung und in der Regel eine höhere Ausschussquote. Deshalb liegt der Stückpreis bei allen Durchmessern über dem von G10. Bei größeren Kugeln kann sich der Preisunterschied weiter erhöhen, da die geforderte Formgenauigkeit auf einer größeren Oberfläche eingehalten werden muss.

7. Lieferzeit und Verfügbarkeit

G10 ist in vielen gängigen Größen verfügbar, von kleinen Durchmessern bis hin zu größeren Industrieabmessungen. G5 in ungewöhnlichen Durchmessern erfordert dagegen häufig eine gesonderte Fertigung und damit längere Lieferzeiten. Die Güteklasse sollte deshalb bereits während der Zeichnungsprüfung festgelegt werden und nicht erst bei einem ungeplanten Anlagenstillstand.

Hinweise zur Beschaffungsplanung

  • Lagerhaltige Größen: gängige metrische und zöllige Abmessungen sind in der Regel am schnellsten verfügbar.
  • Sonderdurchmesser: erfordern gegebenenfalls zusätzliche Fertigungsplanung und einen Produktionsslot.
  • Zeitplanung: die Güteklasse möglichst bereits bei der Konstruktions- oder Zeichnungsprüfung festlegen.

8. Prüfung und Dokumentation

Entscheidend ist nicht nur die angegebene Güteklasse, sondern deren Nachweis. Ein belastbarer Prüfbericht sollte Sphärizität, Losdurchmesserstreuung und Ra-Werte gemäß ISO 3290-2 enthalten. Für Siliziumnitrid kann zusätzlich ein Werkstoffnachweis nach ISO 26602 relevant sein. Ohne entsprechende Prüfdokumentation ist eine angegebene Güteklasse nur eingeschränkt verifizierbar.

9. Wo beide Güteklassen an Grenzen stoßen

Beide Güteklassen haben dieselbe grundlegende Schwäche: Stoßbelastung. Keramik ist hart und spröde. Kantenbelastung, Hammerschläge bei der Montage oder starke Stoßlasten können keramische Kugeln ausbrechen lassen, während Stahl sich eher plastisch verformt. Bei echten Stoßbelastungen ist daher weder G5 noch G10 automatisch die geeignete Lösung.

Kritische Schadensmechanismen

  • Ausbrüche: Keramik kann spröde ausbrechen, während Stahl eher plastische Verformung oder fortschreitende Ermüdung zeigt.
  • Montageschäden: Montagekräfte nur über den vorgesehenen Ring einleiten, niemals über die Kugeln.
  • Ungeeignete Anwendung: für Vibrationssiebe und Brecher ist Stahl häufig die robustere Wahl.

Hinweis: Ein Lager mit Keramikkugeln darf nicht durch Schläge auf den gegenüberliegenden Ring montiert werden. Werden Montagekräfte über die spröden Wälzkörper übertragen, können Mikroschäden entstehen, die zunächst unauffällig bleiben und erst später zu einem vorzeitigen Lagerausfall führen.

The Leitfaden zur Montage und Demontage enthält Hinweise zu geeigneten Werkzeugen.

Arbeiten Sie bereits mit einer Zeichnung? Senden Sie diese zusammen mit dem Last- und Betriebsprofil; die passende Kugelgüte kann dann in die technische Bewertung einbezogen werden.

Werkstoffe hinter der Güteklasse: Si₃N₄ und ZrO₂

Zuerst wird der Werkstoff gewählt, anschließend die Güteklasse. Siliziumnitrid eignet sich besonders für hohe Drehzahlen sowie für elektrisch isolierende Anwendungen an frequenzumrichterbetriebenen (VFD) Motoren, da es leicht, steif und thermisch stabil ist. Zirkonoxid ist schwerer, etwas weniger steif und vergleichsweise zäher; seine Wärmeausdehnung liegt näher an der von Stahl.

Die Abstimmung der Wärmeausdehnung ist in der Praxis wichtiger, als viele Datenblätter vermuten lassen. Zirkonoxid kann sich aufgrund seiner stahlnäheren Wärmeausdehnung anders auf die Betriebslagerluft auswirken als Siliziumnitrid. Bei fettgeschmierten Niedrigdrehzahlanwendungen kann dieser Unterschied relevanter sein als eine höhere Kugelgüte.

Ein klarer Vorteil von Siliziumnitrid liegt bei elektrischer Erosion. Beim HC6210-M-P5-C3 unterbrechen die Keramikkugeln den Strompfad durch das Lager und reduzieren dadurch das Risiko elektrischer Laufbahnschäden in frequenzumrichterbetriebenen Motoren. Weitere Details zur Werkstoffauswahl finden Sie im Werkstoffleitfaden für Lager.

Welche Güteklasse benötigt Ihre Anwendung tatsächlich?

Für die Auswahl sind vor allem die Genauigkeitsklasse der Ringe, die reale Betriebsdrehzahl und mögliche Stoßbelastungen entscheidend. Bei P4 oder höherer Präzision und Drehzahlen oberhalb von etwa 15.000 min⁻¹ kann G5 sinnvoll sein. Für viele andere industrielle Anwendungen ist G10 ausreichend.

Auswahlmatrix für G5- und G10-Keramikkugeln nach Ringgenauigkeit, Drehzahl, Schwingung und Stoßbelastung
AnwendungTypisch angebotene GüteklasseBegründung
CNC-Schleifspindel, 18.000 bis 24.000 min⁻¹G5Rundlauftoleranz unter 1 µm
VFD-Motor, Nichtantriebsseite, 3.600 min⁻¹G10Hier steht die elektrische Isolation im Vordergrund; die Sphärizität ist nicht der limitierende Faktor
Chemische KreiselpumpeG10Korrosion und Abdichtung bestimmen die Lebensdauer
Dental-Handstück, über 300.000 min⁻¹G5Geräusch- und Schwingungsgrenzen sind vertraglich definiert
Schraubenkompressorrotor, hohe DrehzahlG5Axiale Stabilität bei hoher Drehzahl, wie beim HC 7214 E.TPA
Vibrationssieb oder BrecherKeine der beiden – Stahl verwendenStoßlasten können Keramik beschädigen

Die Grenze von 15.000 min⁻¹ ist kein fester technischer Grenzwert, sondern ein praxisnaher Orientierungswert. Vorspannung, Schmierverfahren, Käfigwerkstoff und Lastprofil können die sinnvolle Auswahl deutlich nach oben oder unten verschieben.

Beschaffungstipps, die Nachbestellungen vermeiden helfen

Bei der Beschaffung sollten Werkstoff, Güteklasse und Prüfdokumentation gemeinsam betrachtet werden. Die folgenden Punkte helfen, unnötige Nachbestellungen und Spezifikationsfehler zu vermeiden.

  1. Material und Güteklasse gemeinsam angeben. „Keramik, G5“ ist nur eine halbe Spezifikation; zusätzlich sollte Si₃N₄ oder ZrO₂ genannt werden.
  2. Kugelgüte und Ringklasse aufeinander abstimmen. P4 wird häufig mit G5 kombiniert, P6 häufig mit G10. Eine engere Kugelgüte bringt keinen wirtschaftlichen Vorteil, wenn die Ringgenauigkeit der limitierende Faktor ist.
  3. Innerhalb eines Lagers keine unterschiedlichen Güteklassen mischen. Unterschiedliche Durchmesserstreuungen können dazu führen, dass einzelne Kugeln unter- und andere überbelastet werden.
  4. Den Prüfbericht bereits bei der Anfrage anfordern. Sphärizität, Losdurchmesserstreuung und Ra-Werte gemäß ISO 3290-2 sollten vor dem Versand dokumentiert sein, nicht erst nach einem Ausfall.
  5. Kosten besser auf Jahresbasis statt nur pro Bestellung betrachten. Bereits ein vermiedener Spindelumbau kann die Mehrkosten mehrerer Präzisions-Hybridlager übersteigen. Eine entsprechende TCO-Betrachtung finden Sie in der Übersicht zu den Gesamtbetriebskosten.
  6. Der Wechsel von G10 auf G5 verändert die Außenabmessungen der Kugel nicht. In der Regel handelt es sich deshalb um eine Spezifikationsänderung innerhalb derselben Baugröße und nicht um eine konstruktive Neuauslegung.

Lohnt sich ein Hybrid-Keramiklager immer?

Nein. Bei einer Maschine mit 1.500 min⁻¹, sauberer Schmierung und wirksamer Abdichtung lässt sich der Mehrpreis eines Hybrid-Keramiklagers häufig nicht durch einen messbaren technischen Vorteil rechtfertigen.

Besonders relevant werden Hybridlager in drei Bereichen: Bei hohen Drehzahlen reduziert die geringere Kugelmasse Fliehkraft und Wärmeentwicklung; in frequenzumrichterbetriebenen Motoren unterbricht Keramik den Strompfad durch das Lager; und bei grenzwertiger Schmierung kann der Keramik-Stahl-Kontakt eine größere Sicherheitsreserve bieten. Außerhalb solcher Anwendungen kann Stahl technisch und wirtschaftlich die passendere Lösung sein.

Der zentrale Zielkonflikt liegt zwischen Drehzahleignung, elektrischer Isolation und thermischem Verhalten auf der einen Seite sowie Stoßfestigkeit auf der anderen. Ob dieser Kompromiss sinnvoll ist, hängt von den realen Stoßbelastungen der Maschine ab. Wartungs- und Schadensdaten liefern dafür häufig die beste Entscheidungsgrundlage.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 0,13 µm gegenüber 0,25 µm: der zentrale Toleranzunterschied zwischen G5 und G10.
  • Bei P4-Ringen und Drehzahlen oberhalb von etwa 15.000 min⁻¹ kann G5 sinnvoll sein; darunter ist der Mehrwert häufig begrenzt.
  • Siliziumnitrid für hohe Drehzahlen und elektrische Isolation; Zirkonoxid für Korrosionsbeständigkeit und stahlnähere Wärmeausdehnung.
  • Ohne Prüfbericht nach ISO 3290-2 ist die angegebene Güteklasse nur eingeschränkt verifizierbar.
  • Bei stark stoßbelasteten Lagerstellen bleibt Stahl häufig die robustere Wahl – unabhängig von der Kugelgüte.
  • TFL Bearing beantwortet Anfragen zu Güteklasse und Cross-Reference nach Unternehmensangaben in der Regel innerhalb von 24 Stunden.

Häufige Fragen

Ist G5 immer besser als G10?

Nein. Entscheidend ist die gesamte Lagerbaugruppe. Bei Genauigkeitsklassen unterhalb von P5 oder Drehzahlen unter etwa 15.000 min⁻¹ kann G10 in vielen Anwendungen eine vergleichbare Standzeit bei geringerem Kugelpreis bieten.

Kann ich G5- und G10-Kugeln in einem Lager mischen?

Unterschiedliche Güteklassen sollten innerhalb eines Lagers nicht gemischt werden. Abweichungen in der Durchmesserstreuung können dazu führen, dass einzelne Kugeln entlastet und andere überlastet werden. Dadurch steigt die lokale Kontaktspannung und die Lebensdauer kann deutlich sinken.

Verlängert G5 automatisch die Lagerlebensdauer?

Nicht automatisch. Eine engere Kugelgüte kann die Laufgenauigkeit verbessern sowie Geräusch und Wärmeentwicklung reduzieren. Schmierung, Verunreinigung, Belastung und Passung haben auf die tatsächliche Lebensdauer jedoch meist einen deutlich größeren Einfluss.

Welcher Werkstoff ist geeigneter: Siliziumnitrid oder Zirkonoxid?

Siliziumnitrid eignet sich besonders für hohe Drehzahlen, geringere Wärmeentwicklung und elektrische Isolation. Zirkonoxid bietet Vorteile bei Korrosionsbeständigkeit, ist vergleichsweise zäher und weist eine Wärmeausdehnung auf, die näher an Stahl liegt.

Welche Dokumente belegen die bezahlte Güteklasse?

Ein Maßprüfbericht nach ISO 3290-2. Darin sollten Sphärizität, Losdurchmesserstreuung und Ra-Werte enthalten sein. Für Siliziumnitrid kann zusätzlich ein Werkstoffnachweis nach ISO 26602 angefordert werden.

Fazit

Die Güteklasse ist eine Toleranzklasse und keine allgemeine Qualitätsbewertung. Welche Toleranz sinnvoll ist, wird durch die Maschine und ihre Betriebsbedingungen bestimmt. Bei hochpräzisen Spindeln oberhalb von etwa 15.000 min⁻¹ kann G5 erforderlich sein; für viele Motoren, Pumpen und Lüfter ist G10 ausreichend. Senden Sie Zeichnung und Lastprofil zur Prüfung an TFL. Entscheidend ist die Abstimmung der Kugel auf Laufbahn und Anwendung – nicht allein die Angabe im Prospekt.

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